CAN-Bus im Motorsport: Datenlogging und Telemetrie

CAN-Bus-Datenlogging für den Motorsport: Wie Sie Motordaten, GPS und Sensorik in Echtzeit erfassen und für die Rundenzeit-Optimierung nutzen.

CAN-Bus im Motorsport: Datenlogging und Telemetrie

Daten gewinnen Rennen

Im professionellen Motorsport entscheiden nicht allein Fahrkönnen und Motorleistung über die Platzierung. Die systematische Erfassung und Auswertung von Fahrzeugdaten – das sogenannte Datenlogging – ist das Werkzeug, mit dem Teams Zehntelsekunden pro Runde finden, die dem Fahrergefühl verborgen bleiben. Was in der Formel 1 mit Hunderten von Sensoren geschieht, lässt sich im Amateur-Motorsport und bei Trackdays auf einem zugänglichen Niveau umsetzen – dank des CAN-Bus.

Was der CAN-Bus ist und warum er Gold wert ist

Der Controller Area Network Bus (CAN-Bus) ist das zentrale Kommunikationsnetzwerk moderner Fahrzeuge. Jedes Steuergerät sendet seine Daten als standardisierte Nachrichten auf den Bus – und jedes andere Steuergerät kann diese Nachrichten lesen.

Für das Datenlogging bedeutet das: Sie müssen keine zusätzlichen Sensoren installieren, um an eine Fülle von Fahrzeugdaten zu gelangen. Das Fahrzeug erfasst bereits Dutzende von Parametern in Echtzeit:

  • Motordrehzahl (10 ms Auflösung)
  • Drosselklappenstellung (Fahrerwunsch vs. tatsächliche Position)
  • Ladedruck bei Turbomotoren
  • Einspritzmengen pro Zylinder
  • Kühlmittel- und Öltemperatur
  • Raddrehzahlen (einzeln, alle vier Räder)
  • Querbeschleunigung (vom ESP-Sensor)
  • Längsbeschleunigung (vom ESP-Sensor)
  • Gierrate (Drehung um die Hochachse)
  • Lenkwinkel (vom Lenkwinkelsensor)
  • Bremsdruck (vom ABS-Steuergerät)
  • Gangposition (vom Getriebesteuergerät)

All diese Daten liegen bereits auf dem CAN-Bus vor – Sie müssen sie nur noch aufzeichnen.

Hardware: CAN-Bus-Logger im Überblick

Ein CAN-Bus-Logger ist ein kompaktes Gerät, das an den CAN-Bus des Fahrzeugs angeschlossen wird und die Nachrichten aufzeichnet. Die Spannweite reicht von einfachen OBD-Dongles bis zu professionellen Motorsport-Loggern.

Einstiegsklasse: OBD-basierte Logger

Geräte wie der RaceBox oder der OBDLink MX+ verbinden sich über die OBD-II-Schnittstelle mit dem Fahrzeug und streamen Daten per Bluetooth an eine App auf dem Smartphone oder Tablet.

Vorteile: Einfache Installation, geringe Investition, GPS-Timing integriert Einschränkungen: Begrenzte Datenrate (10-20 Hz für die meisten Parameter), nur standardisierte OBD-PIDs

Mittelklasse: Dedizierte CAN-Logger

Systeme wie der AiM Solo 2 DL oder der RaceCapture Pro verbinden sich direkt mit dem CAN-Bus (nicht über OBD) und erfassen die Rohdaten mit höherer Frequenz.

Vorteile: Bis zu 100 Hz Datenrate, herstellerspezifische CAN-Datenbanken, externer GPS-Empfänger mit 25 Hz Anforderung: CAN-Bus-Anschluss muss hergestellt werden (zwei Drähte: CAN-High und CAN-Low)

Profi-Klasse: Motorsport-Datenerfassung

Systeme wie AiM MXS, MoTeC C125 oder Race Technology DL2 bieten die volle Bandbreite: Hochfrequenz-CAN-Logging, zusätzliche Analogeingänge für externe Sensoren, integriertes Display und Telemetrie.

Vorteile: Bis zu 1.000 Hz Datenrate pro Kanal, unbegrenzte Kanäle, Echtzeitanzeige Anforderung: Professionelle Installation, CAN-Datenbank (DBC-Datei) des Fahrzeugs

CAN-Bus-Datenbanken: Der Schlüssel zur Interpretation

Die CAN-Bus-Rohdaten bestehen aus hexadezimalen Nachrichten, die ohne Interpretation unlesbar sind. Eine CAN-Datenbank (DBC-Datei) übersetzt diese Rohdaten in physikalische Werte. Beispiel:

Roh-CAN-Nachricht: ID 0x280, Byte 2-3: 0x1A 0x0F Interpretation mit DBC: Motordrehzahl = (0x1A0F / 4) = 1667,75 RPM

Jeder Hersteller verwendet eigene CAN-IDs und Kodierungen. Mercedes, BMW und VW strukturieren ihre CAN-Nachrichten völlig unterschiedlich. Die Erstellung oder Beschaffung der korrekten DBC-Datei ist der entscheidende Schritt für ein funktionierendes Datenlogging.

Wie wir bei der DBC-Erstellung helfen

Mit unseren OEM-Diagnosesystemen XENTRY, ISTA und ODIS können wir die CAN-Bus-Kommunikation Ihres spezifischen Fahrzeugs analysieren. Wir identifizieren die relevanten CAN-IDs, dekodieren die Nachrichten und erstellen eine fahrzeugspezifische Kanalliste für Ihren Logger.

Typischer Ablauf:

  1. Fahrzeug auf der Hebebühne anschließen
  2. CAN-Bus-Trace aufzeichnen (alle Nachrichten)
  3. Relevante IDs identifizieren: Motor, Getriebe, ESP, Bremse
  4. Dekodierung der Bytestruktur
  5. DBC-Datei erstellen und im Logger konfigurieren
  6. Testfahrt zur Verifizierung

Welche Daten für welchen Zweck

Nicht jeder Kanal ist für jeden Einsatzzweck gleich relevant. Hier eine Priorisierung:

Für Rundenzeitoptimierung

  • GPS-Position + Geschwindigkeit: Streckenkarte und Sektorenzeiten
  • Drosselklappenstellung: Gasannahme und Gasrücknahme-Punkte
  • Bremsdruck: Bremspunkte und Bremsdruckmodulation
  • Querbeschleunigung: Kurvengeschwindigkeiten und Gripniveau
  • Gangposition: Schaltpunkte optimieren

Für Fahrzeugüberwachung

  • Kühlmitteltemperatur: Thermisches Limit erkennen
  • Öltemperatur + Öldruck: Motorschutz bei Dauerlast
  • Ladelufttemperatur: Leistungsverlust durch Heat Soak identifizieren
  • Raddrehzahlen: Schlupf an allen vier Rädern, ABS-Eingriffe erkennen

Für Setup-Optimierung

  • Stoßdämpfer-Weg (externer Sensor erforderlich): Fahrwerksabstimmung
  • Reifentemperatur (Infrarotsensor): Reifendruckoptimierung
  • Lenkwinkel vs. Gierrate: Untersteuern/Übersteuern quantifizieren

Datenanalyse: Aus Zahlen wird Wissen

Die Aufzeichnung ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Wert liegt in der Analyse. Moderne Analyse-Software wie AiM Race Studio, MoTeC i2 oder die kostenlose Software RaceCapture bieten leistungsfähige Werkzeuge:

  • Rundenvergleich: Die schnellste Runde gegen die zweitschnellste – wo liegen die Unterschiede?
  • Kanal-Overlay: Geschwindigkeit über Streckenposition legen – wo wird zu früh gebremst, wo zu spät beschleunigt?
  • Korrelation: Zusammenhang zwischen Ladedruck und Geschwindigkeit erkennen – fällt der Boost in bestimmten Kurven ab?
  • Histogramm: Wie viel Prozent der Rundenzeit wird im optimalen Drehzahlband verbracht?

CAN-Bus-Integration bei Standalone-Steuergeräten

Wenn Ihr Motorsportfahrzeug ein Standalone-Steuergerät (Haltech, MoTeC, Syvecs) verwendet, bieten diese Systeme einen eigenen CAN-Bus-Ausgang. Die Konfiguration des CAN-Streams – welche Daten mit welcher Frequenz gesendet werden – ist frei parametrierbar. Hier kann das Datenlogging exakt auf Ihre Anforderungen zugeschnitten werden.

Für Fahrzeuge mit Original-Steuergerät empfehlen wir, den CAN-Bus passiv abzuhören (Read-Only). Ein schreibender Zugriff auf den CAN-Bus ist im Motorsport-Logging weder notwendig noch sinnvoll – und birgt das Risiko, die Fahrzeugelektronik zu stören.

Unser Angebot: CAN-Bus-Setup für Ihr Fahrzeug

Bei KFZ Dietrich richten wir Ihr CAN-Bus-Datenlogging ein – von der Hardwareinstallation über die DBC-Erstellung bis zur ersten Datenanalyse. Wir arbeiten mit allen gängigen Logger-Systemen und kennen die CAN-Bus-Architekturen von Mercedes, BMW und VW im Detail.

Ob Sie den Logger selbst mitbringen oder unsere Empfehlung für das passende System wünschen: Wir sorgen dafür, dass die richtigen Daten mit der richtigen Frequenz aufgezeichnet werden.

Termin für CAN-Bus-Setup vereinbaren: 05505 5236 oder per WhatsApp.

WhatsApp