Anlasser und Lichtmaschine gebraucht: Prüfstand-Test vor dem Einbau
Anlasser und Lichtmaschine (Generator) sind elektrische Maschinen mit mechanischen Bauteilen. Sie sind robust, vergleichsweise einfach aufgebaut und lassen sich als Gebrauchtteile gut bewerten – wenn man weiß, worauf man achten muss. Der entscheidende Schritt ist in beiden Fällen ein Prüfstandstest, bevor das Bauteil im Fahrzeug verbaut wird. Eine Sichtprüfung allein reicht nicht aus.
Gebrauchter Anlasser: Was geprüft wird
Der Anlasser dreht den Motor beim Start durch und muss dabei kurzfristig sehr hohe Ströme verarbeiten. Sein Verschleiß äußert sich in verschlissenen Kohlebürsten, einem defekten Freilauf, einem abgenutzten Ritzel oder einem elektrisch schlechten Solenoid (Einrückmagnet).
Mechanische und elektrische Prüfung
Freilauf-Prüfung: Der Freilauf am Anlasser sorgt dafür, dass nach dem Startvorgang das Ritzel nicht mehr vom Motor angetrieben wird und damit die Anlasserwelle nicht überdreht. Ein defekter Freilauf lässt sich manuell prüfen: Das Ritzel muss in einer Drehrichtung frei laufen, in der anderen blockieren. Ein Freilauf, der in beide Richtungen dreht oder in beide Richtungen blockiert, ist defekt und macht den Anlasser unbrauchbar.
Prüfstandstest: Am Anlasserprüfstand wird das Bauteil mit der Fahrzeugbordspannung (12 V) oder der entsprechenden Lastspannung betrieben. Gemessen werden: Anlaufstrom (muss innerhalb des Sollbereichs liegen), Leerlaufdrehzahl und Ritzel-Einrückverhalten. Ein Anlasser mit hohem Anlaufstrom und niedriger Drehzahl hat Kurzschlüsse in der Wicklung oder verschlissene Kohlebürsten. Ein Anlasser, der einschaltet, aber das Ritzel nicht einrückt, hat einen defekten Solenoid.
Kohlebürsten: Kohlebürsten sind Verschleißteile, die den Strom zur rotierenden Wicklung übertragen. Bei gebrauchten Anlassern sind Kohlebürsten oft stark verschlissen, ohne dass dies äußerlich erkennbar ist. Im Prüfstandstest zeigt sich dies in erhöhtem Übergangswiderstand und niedrigerer Leistung. Kohlebürsten sind in der Regel ohne Komplettausbau des Anlassers tauschbar – ein sinnvoller Schritt bei einem Gebrauchtteil vor dem Einbau.
Gebrauchte Lichtmaschine: Spannung, Strom und Freilauf
Prüfstandsmessung: Die Lichtmaschine wird am Prüfstand mit einer Riemenscheibe angetrieben und bei verschiedenen Drehzahlen auf Ausgangsspannung und -strom geprüft. Eine intakte Lichtmaschine liefert bei Motordrehzahl ~1.500 min⁻¹ eine stabile Ausgangsspannung von 13,5 bis 14,8 Volt und bei steigender Drehzahl den spezifizierten Nennstrom (z. B. 90 A, 120 A oder 180 A je nach Ausführung).
Freilauf-Riemenscheibe: Moderne Lichtmaschinen haben einen Freilauf in der Riemenscheibe (OAP – Overrunning Alternator Pulley), der Schwingungen im Riemenantrieb dämpft. Dieser Freilauf verschleißt und ist bei gebrauchten Lichtmaschinen häufig das Problem – er rattert, blockiert oder überträgt keine saubere Kraft mehr. Der Freilauf ist ein separates Bauteil und wird beim Lichtmaschinentausch grundsätzlich erneuert.
Regler und Dioden: Der Spannungsregler und der Gleichrichter (Diodenbrücke) sind interne Bauteile der Lichtmaschine. Ein Diodenbrückendefekt äußert sich in ungleichmäßiger Ausgangsspannung, AC-Anteilen im Bordnetz und typischerweise einer erhöhten Batterieentladung. Am Prüfstand ist dieser Defekt durch Messung der Ausgangsspannung mit einem Oszilloskop erkennbar.
Was bei der Batterie parallel geprüft werden muss
Ein häufiger Fehler beim Lichtmaschinentausch ist es, die Batterie nicht zu berücksichtigen. Eine tiefentladene oder defekte Batterie kann eine neue oder gebrauchte Lichtmaschine überlasten, weil sie dauerhaft maximalen Ladestrom zieht. Vor dem Einbau einer Gebraucht-Lichtmaschine wird der Batteriezustand geprüft. Bei modernen Fahrzeugen mit EFB- oder AGM-Batterien erfordert der Batterietausch zusätzlich eine Codierung im Fahrzeug – andernfalls stimmt das Ladeprofil nicht mit dem Batterietyp überein.
Fazit
Gebrauchte Anlasser und Lichtmaschinen sind bei korrekter Prüfung zuverlässige Alternativen zu neuen Teilen. Der Prüfstandstest ist dabei keine optionale Maßnahme, sondern Einbauvoraussetzung. Wir testen jedes elektrische Gebrauchtteil vor dem Einbau und stellen sicher, dass es den Leistungsanforderungen Ihres Fahrzeugs entspricht. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie zur richtigen Vorgehensweise.