“DSG-Ölwechsel” klingt nach einer vollständigen Erneuerung des Getriebeöls – ist es aber nicht. Wie bei Automatikgetrieben hält ein erheblicher Anteil des Altöls im Drehmomentwandler und in den Hydraulikkanälen des Ventilblocks zurück. Die Ölspülung löst dieses Problem durch einen aktiven Austauschprozess.
Was beim Standard-Ölwechsel passiert
Bei einem DSG-Ölwechsel (manuelles Ablassen) werden Ölwanne und Ölfilter geöffnet. Das Getriebeöl, das durch die Schwerkraft abläuft, beträgt ca. 3,5 von typisch 6–7 Litern Gesamtfüllung. Die restlichen ca. 40% verbleiben in:
- Den hydraulischen Druckkanälen des Ventilblocks
- Den Kupplungspaketen (Nassdoppelkupplung)
- Den Schmierkanälen der Lagerstellen
- (Bei DCT mit Drehmomentwandler: im Wandler-Innenkreis)
Das nachgefüllte Frischöl mischt sich sofort mit diesem Restanteil – das Ergebnis ist ein Gemisch aus Alt- und Neuöl. Die Reinigungswirkung für Getriebekomponenten ist daher deutlich geringer als bei einem vollständigen Austausch.
Was die Ölspülung anders macht
Das Spülverfahren schließt das Spülgerät in den Getriebeölkreislauf ein – zwischen Ölkühler-Rücklauf und Getriebe. Während der Motor läuft und das Getriebe zirkuliert, wird das Altöl kontinuierlich abgepumpt und Frischöl nachgeführt. Durch diesen Durchflussaustausch werden auch die durch den Pumpendruck erreichbaren Bereiche gespült.
Ergebnis: bis zu 90–95% des Gesamtölvolumens wird erneuert. Gleichzeitig werden suspendierte Metallabrieb-Partikel aus dem Kreislauf gespült, bevor sie mechanischen Schaden anrichten.
Wann ist die Ölspülung wichtiger als der Standardwechsel?
Versäumte Wartung: Fahrzeuge, bei denen der Ölwechsel über das empfohlene Intervall hinaus verzögert wurde, haben thermisch stärker geschädigtes Öl im System. Ein Standardwechsel erneuert nur 60% – der verbleibende Rest kontaminiert sofort das frische Öl. Die Spülung schafft einen sauberen Ausgangspunkt.
Ruckelprobleme (DSG-typisch): Viele VW/Audi DSG7 (DQ200, Trocken-DCT) zeigen bei Verschlechterung des Öls ein charakteristisches Ruckeln im niedrigen Drehzahlbereich. Ein einfacher Ölwechsel löst dieses Problem seltener als die vollständige Spülung.
Nach Kupplungsschlupf oder Überhitzung: Wenn das Getriebe durch Fehler (z. B. Anhängerbetrieb ohne korrekte Konfiguration, überhitztes Kupplungspaket) thermisch überlastet wurde, enthält das Öl Oxidationsprodukte und feinste Kupplungsabriebpartikel.
DSG7 DQ200 vs. DSG6 DQ250
Das trockene DSG7 (DQ200) verwendet Getriebeöl nur für den Hydraulikkreislauf des Doppelkupplungsmechanismus – die Kupplungen selbst sind öl-trocken. Das nasse DSG6 (DQ250) hat beide Kupplungen vollständig im Ölbad.
Für die Ölspülung bedeutet das: Beim DQ200 ist der kritische Bereich der Ventilblock und die Hydraulikeinheit. Beim DQ250 sind es zusätzlich die Kupplungspakete selbst.
DSG-Ölspülung mit Anpassung und Steuergerät-Grundeinstellung in Hardegsen. Termin: 05505 5236.