VW Passat B8 2.0 TDI – ein typischer Fall
Der VW Passat B8 mit dem 2.0 TDI (EA288, 150 PS) gehört zu den meistgefahrenen Firmenwagen in Deutschland. Hohe Laufleistungen, überwiegender Autobahnbetrieb und exakte Wartungsintervalle sind typisch für dieses Fahrzeugsegment. Dennoch erreichen diese Motoren mit zunehmender Laufleistung einen Punkt, an dem sich Ablagerungen im System bemerkbar machen – spätestens bei der nächsten Abgasuntersuchung.
In diesem Praxisbericht dokumentieren wir die H2-Motorreinigung an einem konkreten Fahrzeug mit allen Messwerten vor und nach der Behandlung.
Das Fahrzeug im Detail
- Modell: VW Passat B8 Variant, Baujahr 2018
- Motor: EA288, 2.0 TDI, 110 kW (150 PS)
- Laufleistung: 147.000 km
- Abgasnorm: Euro 6
- Getriebe: DSG 7 (DQ381)
- Nutzungsprofil: 70 Prozent Autobahn, 30 Prozent Kurzstrecke
- Wartungshistorie: Scheckheft gepflegt, letzter Ölwechsel bei 138.000 km
Der Kunde kam mit dem Anliegen, das Fahrzeug auf die anstehende Hauptuntersuchung vorzubereiten. Im Vorgespräch berichtete er von einem leicht erhöhten Kraftstoffverbrauch in den letzten Monaten – statt der gewohnten 5,8 Liter auf 100 Kilometer lag der Durchschnitt bei 6,4 Litern.
Diagnose vor der Behandlung
Vor jeder H2-Reinigung führen wir eine vollständige Diagnose durch. Bei diesem Passat nutzen wir ODIS – das originale Volkswagen-Diagnosesystem mit Zugang zu allen herstellerspezifischen Messwertblöcken.
Fehlerspeicher: Keine aktuellen Fehlercodes gespeichert. Ein sporadischer Eintrag P2463 (Differenzdrucksensor Dieselpartikelfilter – Plausibilität) aus dem Vorjahr war bereits gelöscht, deutete aber auf erhöhten Rußeintrag hin.
AGR-Ventil Stellung: Im Leerlauf zeigte das AGR-Ventil eine Ist-Position von 23 Prozent bei einem Soll von 18 Prozent. Diese Abweichung spricht für Ablagerungen am Ventilteller, die den vollständigen Schluss behindern.
Einspritzmengenanalyse: Die Abweichungen der vier Injektoren lagen zwischen +2,1 und +3,8 mg pro Hub. Werte über 3,0 mg deuten auf beginnende Verkokung der Düsennadeln hin.
DPF-Beladung: 68 Prozent – ein relativ hoher Wert, der darauf hindeutet, dass die Regeneration nicht mehr vollständig abläuft.
AU-Messwerte vor der H2-Reinigung
Die Abgasuntersuchung bei Dieselfahrzeugen misst die Trübung des Abgases bei freier Beschleunigung. Der Trübungskoeffizient wird in der Einheit m⁻¹ (pro Meter) angegeben.
Messung vor der Behandlung:
| Parameter | Messwert | Grenzwert | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Trübungswert (1. Messung) | 0,58 m⁻¹ | 0,70 m⁻¹ | Knapp bestanden |
| Trübungswert (2. Messung) | 0,61 m⁻¹ | 0,70 m⁻¹ | Knapp bestanden |
| Trübungswert (3. Messung) | 0,54 m⁻¹ | 0,70 m⁻¹ | Bestanden |
| Mittelwert | 0,58 m⁻¹ | 0,70 m⁻¹ | Bestanden |
| Motoröltemperatur | 82 °C | min. 80 °C | In Ordnung |
| Leerlaufdrehzahl | 830 U/min | 750–900 | In Ordnung |
Die Werte lagen zwar innerhalb der Grenzwerte, aber deutlich über dem Niveau eines sauberen EA288-Motors. Zum Vergleich: Ein Passat mit 50.000 Kilometern zeigt typischerweise Trübungswerte von 0,15 bis 0,25 m⁻¹.
Die H2-Behandlung
Die Wasserstoff-Motorreinigung wurde bei laufendem Motor im Leerlauf durchgeführt. Das Verfahren im Einzelnen:
Vorbereitung. Motor auf Betriebstemperatur bringen (mindestens 80 °C Öltemperatur). Ansaugbrücke lokalisieren – beim EA288 erfolgt die Einleitung über den Unterdruckschlauch am Bremskraftverstärker.
Phase 1 – Aufwärmung (10 Minuten). Geringe Wasserstoffmenge bei Leerlaufdrehzahl. Der Motor gewöhnt sich an das zusätzliche Gas, die Abgastemperatur steigt leicht an.
Phase 2 – Intensivreinigung (35 Minuten). Volle Wasserstoffzufuhr. In dieser Phase findet die thermochemische Reaktion statt: Wasserstoff reagiert mit den Kohlenstoffablagerungen zu CO₂ und H₂O. Am Auspuff ist eine leichte Dampfentwicklung sichtbar – das ist das freigesetzte Wasser.
Phase 3 – Nachspülung (10 Minuten). Reduzierte Wasserstoffmenge, anschließend kurze Drehzahlerhöhung auf 2.500 U/min für drei Minuten, um gelöste Partikel aus dem System zu spülen.
AU-Messwerte nach der H2-Reinigung
Nach einer 20-minütigen Probefahrt mit Drehzahlen zwischen 2.000 und 3.500 U/min erfolgte die Kontrollmessung.
Messung nach der Behandlung:
| Parameter | Vorher | Nachher | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Trübungswert (1. Messung) | 0,58 m⁻¹ | 0,19 m⁻¹ | -67 % |
| Trübungswert (2. Messung) | 0,61 m⁻¹ | 0,22 m⁻¹ | -64 % |
| Trübungswert (3. Messung) | 0,54 m⁻¹ | 0,18 m⁻¹ | -67 % |
| Mittelwert | 0,58 m⁻¹ | 0,20 m⁻¹ | -66 % |
Die Verbesserung um 66 Prozent brachte die Trübungswerte zurück auf ein Niveau, das einem deutlich jüngeren Motor entspricht. Für die bevorstehende HU/AU sind diese Werte in jedem Fall unproblematisch.
Weitere Messwerte nach der Behandlung
AGR-Ventil: Ist-Position im Leerlauf jetzt 19 Prozent bei Soll 18 Prozent – nahezu Normbereich.
Einspritzmengenabweichung: Reduziert auf +1,2 bis +2,1 mg pro Hub. Alle Injektoren innerhalb der Normaltoleranz.
DPF-Beladung: Nach Probefahrt und erzwungener Regeneration: 12 Prozent.
Kraftstoffverbrauch: Der Kunde berichtete eine Woche nach der Behandlung von einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern – eine Rückkehr zum gewohnten Niveau.
Einordnung der Ergebnisse
Dieser Passat ist ein Paradebeispiel für einen Motor, bei dem die H2-Reinigung ihre volle Wirkung entfaltet. Die Ablagerungen hatten sich über 147.000 Kilometer kontinuierlich aufgebaut, ohne dass ein akuter Defekt vorlag. Die Komponenten – AGR, Injektoren, DPF, Turbolader – waren alle funktionsfähig, aber in ihrer Leistung durch Kohlenstoffablagerungen eingeschränkt.
Nicht jedes Fahrzeug zeigt eine Verbesserung von 66 Prozent. Bei Motoren mit geringerer Laufleistung oder überwiegendem Langstreckenbetrieb fällt die Differenz naturgemäß kleiner aus. Entscheidend ist die ehrliche Bestandsaufnahme vor der Behandlung.
Wenn Sie Ihren Passat oder ein anderes Fahrzeug auf die HU vorbereiten möchten, vereinbaren Sie einen Termin bei KFZ Dietrich. Wir messen zuerst, reinigen dann und dokumentieren das Ergebnis.