Reifenpanne während der Fahrt: Ruhig bleiben, richtig handeln

Ein plötzlich platter Reifen auf Autobahn oder Landstraße ist gefährlich. Die richtigen Schritte – und warum viele Fahrzeuge kein Reserverad mehr haben.

Reifenpanne während der Fahrt: Ruhig bleiben, richtig handeln

Eine Reifenpanne bei hoher Geschwindigkeit gehört zu den gefährlichsten Situationen im Straßenverkehr. Das Fahrzeug zieht plötzlich stark auf eine Seite, das Lenkrad vibriert und ruckt. Wer falsch reagiert – Vollbremsung, abruptes Gegenlenken – verschlimmert die Situation. Wer weiß, was zu tun ist, kann die Kontrolle behalten.

Sofortmaßnahmen: Die entscheidenden ersten Sekunden

Nicht bremsen, nicht reißen. Das ist der wichtigste Grundsatz. Bei einem Platzer vorne zieht das Fahrzeug stark in Richtung des geplatzten Reifens – der Reflex ist es, sofort gegenzulenken und zu bremsen. Beides verstärkt die Instabilität.

Richtig: Lenkrad fest mit beiden Händen halten, geradeaus ausrollen lassen, sanft Gas wegnehmen (nicht treten), Warnblinkanlage einschalten. Das Fahrzeug verlangsamt sich durch den Widerstand des geplatzten Reifens von selbst.

Erst bremsen, wenn Geschwindigkeit deutlich reduziert ist (unter 60 km/h) – dann gezielt und gleichmäßig auf den nächsten sicheren Halt zu.

Pannenhalt: Sicherheit zuerst

Auf der Autobahn: Notfallspur, möglichst vor einer Notrufsäule oder in der Nähe einer Auf-/Abfahrt. Motor abstellen, Warnweste anlegen, Warndreieck ca. 100 m hinter dem Fahrzeug aufstellen. Fahrzeuginsassen aus dem Fahrzeug raus – Schutzplanke auf der Fahrbahn-Gegenseite ist sicherer als neben dem Fahrzeug zu stehen.

Auf Landstraßen: So weit wie möglich von der Fahrbahn weg, Warndreieck 50–100 m hinter dem Fahrzeug.

Reserverad, Runflat oder Pannenhilfe-Set?

Moderne Fahrzeuge haben oft kein Reserverad mehr – aus Gewichts- und Platzgründen. Stattdessen gibt es drei Alternativen:

Runflat-Reifen: Können mit 0 bar Reifendruck noch ca. 80 km bei max. 80 km/h weitergefahren werden. Nachteil: teurer, härteres Fahrverhalten, kein normaler Austausch gegen Standardreifen ohne Anpassung des RDKS.

Pannenhilfe-Set (Kompressor + Dichtmilch): Dichtet einfache Nagellöcher temporär ab. Funktioniert nicht bei großen Rissen oder Seitenwandschäden. Nach Verwendung muss der Reifen in der Werkstatt gereinigt oder getauscht werden – Dichtmilch beschädigt RDKS-Sensoren.

Notrad (Miniaturreserve): Limitierte Nutzung: max. 80 km/h, ca. 80–150 km Reichweite. Kein Alltagsersatz. Reifendruckwerte beachten (meist höher als normale Reifen, typisch 4,2 bar).

RDKS: Reifendruckkontrollsystem beachten

Ab 2014 ist RDKS in Neufahrzeugen Pflicht. Nach einer Reifenreparatur oder einem Reifenwechsel muss das RDKS neu eingelernt werden – sonst bleibt die Warnleuchte dauerhaft aktiv. Direktsysteme (mit Sensoren im Reifen) erfordern dafür Diagnosesoftware.

Reifenservice und RDKS-Einlernen nach Reifenpanne in Hardegsen. Notfallhilfe: 05505 5236.