Das rote H hinter dem Kennzeichen ist für Oldtimerbesitzer mehr als ein bürokratisches Detail – es signalisiert, dass das Fahrzeug als erhaltenswertes Kulturgut eingestuft wurde. Aber auch Fahrzeuge mit H-Kennzeichen müssen regelmäßig zur Hauptuntersuchung. Was dabei gilt.
Wann gilt ein Fahrzeug als historisch?
Ab 30 Jahren Erstzulassung. Ein 1993 erstmals zugelassenes Fahrzeug kann ab 2023 das H-Kennzeichen erhalten. Voraussetzung: Das Fahrzeug muss im “Originalzustand” sein – oder in einem Zustand, der seiner historischen Bedeutung entspricht.
“Originalzustand” bedeutet nicht 0 km und unberührt, sondern: überwiegend originalgetreue Restauration und keine wesentlichen technischen Umbauten ohne Eintragung.
Die HU für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen
Prüfintervall: Gleich wie normale Fahrzeuge – alle 2 Jahre.
Prüfmaßstab: Hier liegt der wesentliche Unterschied. Bei Oldtimern gilt der zum Zeitpunkt der Erstzulassung gültige technische Stand als Referenz – nicht die aktuellen Anforderungen. Ein Fahrzeug von 1970 ohne ABS, ohne Katalysator, ohne Airbag wird nicht daran gemessen, ob es diese modernen Sicherheitskomponenten hat.
Was trotzdem geprüft wird:
- Beleuchtung (Funktion und Ausrichtung)
- Bremsen (Bremsweg und Gleichmäßigkeit)
- Lenkung (Spiel, Funktion)
- Sichtfelder, Scheibenwischer
- Fahrwerk, Achsen, Lager
- Kraftstoffanlage (Dichtheit)
- Abgaswerte – aber nach den Normen des Baujahres
Was anders beurteilt wird: Rost an Karosserieteilen wird toleranter bewertet, wenn er nicht sicherheitsrelevant ist. Originalteile mit Gebrauchsspuren sind kein Mangel.
Was zur Abnahme führt (Versagen)
Auch Oldtimer können durch die HU fallen:
- Sicherheitsrelevante Substanzverluste: Durchrosteter Bremsleitungsträger, Längsträger mit Löchern, Achsaufhängung ohne Substanz – das ist kein erlaubter “Charme”, das ist gefährlich.
- Nicht funktionierende Bremsen: Einseitig bremsendes Fahrzeug fällt durch, egal wie alt es ist.
- Nicht funktionierendes Licht: Originaloptiken dürfen sein – aber sie müssen leuchten und richtig ausgerichtet sein.
- Umbauten ohne Eintragung: Motortausch, Getriebeänderung, Spurverbreiterung ohne Einzelabnahme = kein H-Kennzeichen und HU-Versagen.
Vorbereitung auf die HU
Bremsen testen: Bremsanlage vorher prüfen lassen. Bremsbeläge, Bremsscheiben/-trommeln auf Verschleiß, Bremsleitungen auf Rost.
Beleuchtung: Alle Leuchtmittel prüfen, Scheinwerfer einstellen lassen.
Sichtprüfung Unterboden: Vor der HU Unterbodenzustand einschätzen. Was sicherheitsrelevant durchgerostet ist, muss repariert werden.
Abgaswerte: Je nach Motortype können Abgaswerte variieren. Bei Vergasermotoren: Gemischeinstellung prüfen. Bei frühen Dieseln: Rußwert (Opazimeter) prüfen.
H-Kennzeichen verloren – was dann?
Wenn bei der HU festgestellt wird, dass das Fahrzeug nicht mehr im wesentlichen Originalzustand ist (z.B. durch nicht eingetragene Umbauten), kann das H-Kennzeichen aberkannt werden. Dann gelten normale Kennzeichenregeln und die regulären Prüfstandards.
Gut erhaltene, konsequent gepflegte Oldtimer haben bei der HU selten Probleme. Das Gegenteil – mangelhaft instand gehaltene Fahrzeuge mit dem falschen Glauben, das H schütze vor Anforderungen – sind es, die immer wieder Überraschungen erleben.
Oldtimer-Vorbereitung für die HU in Hardegsen. Bremsen, Beleuchtung, Unterboden – alles vor dem TÜV-Termin. Telefon: 05505 5236.