Reifenalter: DOT-Nummer richtig lesen

So bestimmen Sie das Herstellungsdatum Ihrer Reifen anhand der DOT-Nummer. Wo sie steht, wie Sie sie lesen und wann Reifen zu alt sind.

Reifenalter: DOT-Nummer richtig lesen

Was die DOT-Nummer verrät

Jeder in Europa und Nordamerika verkaufte Reifen trägt eine DOT-Kennzeichnung (Department of Transportation) auf der Flanke. Diese Kennzeichnung enthält Informationen über den Herstellungsort, die Reifengröße und – am wichtigsten für Sie als Fahrzeughalter – das Herstellungsdatum.

Das Herstellungsdatum steht in den letzten vier Ziffern der DOT-Nummer, eingerahmt in ein ovales Feld. Diese vier Ziffern sind der Schlüssel zum Reifenalter.

So lesen Sie die DOT-Nummer

Die letzten vier Ziffern

Die Codierung ist einfach: Die ersten zwei Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten zwei für das Herstellungsjahr.

Beispiele:

DOT-EndungBedeutung
2519Kalenderwoche 25, Jahr 2019 (Juni 2019)
0322Kalenderwoche 03, Jahr 2022 (Januar 2022)
4817Kalenderwoche 48, Jahr 2017 (Dezember 2017)
1526Kalenderwoche 15, Jahr 2026 (April 2026)

Wo genau steht die DOT-Nummer?

Die vollständige DOT-Nummer befindet sich auf der Reifenflanke. Ein häufiges Problem: Sie ist oft nur auf einer Seite des Reifens vollständig eingeprägt. Auf der gegenüberliegenden Seite fehlen häufig die letzten vier Ziffern. Wenn Sie die DOT-Nummer nicht auf der sichtbaren Seite finden, ist sie auf der Innenseite des Reifens – also der Seite, die zum Fahrzeug zeigt.

Bei montierten Rädern ist die Innenseite ohne Demontage nicht einsehbar. In diesem Fall können Sie die äußere Seite nach der DOT-Kennung absuchen und sich merken: Wenn nur der Anfang der DOT-Nummer sichtbar ist (z. B. „DOT H2YJ RML8”), fehlt die Datumsangabe – sie steht auf der anderen Seite.

Ältere Reifen: Dreistellige DOT-Nummer

Reifen, die vor dem Jahr 2000 hergestellt wurden, haben nur eine dreistellige Datumsangabe: zwei Ziffern für die Woche, eine für das Jahr. Das Problem: „258” könnte 1988 oder 1998 bedeuten. Bei Reifen aus den 1990er Jahren wurde teilweise ein kleines Dreieck-Symbol nach der dritten Ziffer hinzugefügt, um die Dekade zu kennzeichnen.

In der Praxis ist das kaum noch relevant – ein Reifen aus den 1990er Jahren sollte unter keinen Umständen mehr gefahren werden.

Warum das Reifenalter so wichtig ist

Gummi altert – auch ohne Nutzung

Die Alterung von Gummi ist ein chemischer Prozess, der unabhängig von der Nutzung stattfindet. Sauerstoff, Ozon, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen zersetzen die Weichmacher und Polymerketten in der Gummimischung. Der Reifen wird mit der Zeit spröde, verliert Elastizität und damit Grip.

Dieser Alterungsprozess läuft schleichend ab. Ein Reifen, der vier Jahre in einer trockenen, dunklen Garage gelagert wurde, sieht optisch einwandfrei aus. Sein Gummi hat aber bereits messbar an Elastizität verloren. Bei einem Reifen, der sechs Jahre am Fahrzeug montiert war – mit Sonneneinstrahlung, Hitze im Sommer und Kälte im Winter – ist die Alterung noch weiter fortgeschritten.

Alterungsrisse erkennen

Fortgeschrittene Alterung zeigt sich als feine Risse in der Flanke und zwischen den Profilblöcken. Diese sogenannten Ozonrisse sind zunächst nur kosmetisch, deuten aber auf eine tiefgreifende Materialveränderung hin. In fortgeschrittenem Stadium können sie die strukturelle Integrität des Reifens gefährden – insbesondere bei hoher Geschwindigkeit und Hitze.

So prüfen Sie: Biegen Sie den Reifen leicht, indem Sie mit den Händen die Flanke zusammendrücken. Erscheinen dabei feine Risse oder Rissnetze, ist die Alterung fortgeschritten. Einzelne, oberflächliche Risse bei einem Reifen unter 6 Jahren sind meist unbedenklich. Tiefe Risse, aus denen sich Material löst, erfordern sofortigen Austausch.

Wie alt dürfen Reifen sein?

Gesetzliche Regelung

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Altersgrenze für Reifen (mit einer Ausnahme: Anhängerreifen bei 100 km/h Zulassung dürfen maximal 6 Jahre alt sein). Der Gesetzgeber schreibt lediglich die Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vor. Das Reifenalter wird bei der Hauptuntersuchung nicht systematisch geprüft, allerdings kann ein Prüfer bei sichtbaren Alterungserscheinungen den Reifen beanstanden.

Empfehlungen der Experten

Die Empfehlungen sind einheitlich:

ADAC: Reifen nach 10 Jahren ab Herstellungsdatum ersetzen, unabhängig von der Profiltiefe. Ab 6 Jahren jährliche Sichtprüfung empfohlen.

Reifenhersteller (Continental, Michelin, Bridgestone): Spätestens nach 10 Jahren ersetzen. Prüfung ab 5 Jahren empfohlen.

Unsere Werkstatt-Erfahrung: Wir empfehlen, Reifen nach 8 Jahren zu ersetzen. In der Praxis sehen wir bei Reifen ab 6 Jahren häufig erste Alterungsrisse, ab 8 Jahren deutliche Verhärtung der Gummimischung. Die Grip-Werte eines 8 Jahre alten Reifens liegen – selbst bei ausreichendem Profil – messbar unter denen eines neuen Reifens gleichen Typs.

Sonderfälle: Wann das Alter besonders kritisch ist

Ersatzrad und Notrad

Das Reserverad im Kofferraum wird selten genutzt, aber ständig den Temperaturschwankungen im Fahrzeug ausgesetzt. Viele Fahrzeughalter vergessen es bei der Reifenkontrolle. Ein 12 Jahre altes Notrad mit vollem Profil ist gefährlicher als ein 3 Jahre alter Reifen mit 3 mm Profil – die Gummimischung hat ihre Eigenschaften verloren.

Prüfen Sie das Alter Ihres Reserverads. Wenn es älter als 8 Jahre ist, ersetzen Sie es. Im Pannenfall verlassen Sie sich auf diesen Reifen, und er muss funktionieren.

Gebrauchte Reifen

Beim Kauf gebrauchter Reifen ist die DOT-Nummer der erste Prüfpunkt. Ein gebrauchter Reifen mit 5 mm Profil, aber 7 Jahren Alter, hat eine deutlich kürzere Restnutzungsdauer als die Profiltiefe vermuten lässt. Die Alterung des Gummis begrenzt die Lebensdauer unabhängig vom Verschleiß.

Wohnmobile und Saisonfahrzeuge

Fahrzeuge mit geringer Jahresfahrleistung – Wohnmobile, Oldtimer, Cabrios – haben oft Reifen mit hervorragendem Profil, aber hohem Alter. Der Gummi altert durch Standzeit und Witterung, während das Profil kaum abgefahren wird. Bei diesen Fahrzeugen ist das Alter der entscheidende Faktor, nicht die Profiltiefe.

Neuwertiger Reifen ≠ neuer Reifen

Auch Neureifen haben ein Herstellungsdatum. Ein Reifen, der seit zwei Jahren im Lager des Händlers liegt, ist ein Neureifen – aber kein frischer Reifen. Die Alterung beginnt mit der Herstellung, nicht mit der Montage.

Unsere Empfehlung beim Reifenkauf: Akzeptieren Sie keine Reifen, die älter als 2 Jahre ab Herstellungsdatum sind. Bei einem Reifen, der 18 Monate im Lager lag und dann 6 Jahre gefahren wird, ist die Gesamtlebensdauer von 8 Jahren bereits nach 6,5 Jahren Nutzung erreicht.

Fragen Sie beim Kauf nach dem DOT-Datum oder prüfen Sie es selbst vor der Montage. Seriöse Händler geben das Herstellungsdatum transparent an.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Zahlen

FrageAntwort
Wo steht das Datum?Letzte 4 Ziffern der DOT-Nummer (oval eingerahmt)
Wie liest man es?Erste 2 = Kalenderwoche, letzte 2 = Jahr
Ab wann prüfen?Ab 6 Jahren jährliche Sichtprüfung
Spätestens ersetzen?Nach 8 Jahren (unsere Empfehlung)
Absolutes Maximum?10 Jahre (ADAC/Hersteller)
Neureifen: Max. Lageralter?2 Jahre ab DOT-Datum

Das Reifenalter ist ein Sicherheitsfaktor, der zu selten beachtet wird. Bei Ihrem nächsten Werkstattbesuch prüfen wir das Alter Ihrer Reifen gerne mit – schnell, unkompliziert und mit einer ehrlichen Einschätzung, ob die Reifen noch sicher sind.

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