Ein Steinschlag an der Frontscheibe, der sich nicht mehr reparieren lässt: Scheibe muss getauscht werden. Bei modernen Fahrzeugen mit Kamera oder Radarsensor hinter der Scheibe endet die Arbeit nicht beim Scheibeneinbau. ADAS-Kalibrierung ist in vielen Fällen Pflicht – nicht optional.
Was hinter der Frontscheibe sitzt
Fahrerassistenz-Kameras sitzen oft direkt hinter der Frontscheibe, Richtung Innenspiegel. Sie erfassen die Fahrbahn, Spurmarkierungen, Fahrzeuge und Fußgänger. Ändert sich die optische Eigenschaft der Scheibe (durch Krümmung, Dicke, Beschichtung), verändert sich das Kamera-Bild minimal – genug, um Kalibrierung nötig zu machen.
Systeme die nach Scheibenwechsel kalibriert werden müssen:
- Spurhalteassistent (Lane Departure Warning)
- Notbremsassistent (Autonomous Emergency Braking)
- Abstandstempomat / ACC (wenn kameragestützt)
- Stauassistent
- Verkehrszeichenerkennung
Radarsensoren sitzen oft im Kühlergrill (Abstandsmessung ACC) und hinter dem Heck (Cross Traffic Alert). Diese brauchen nach Scheibenwechsel keine Kalibrierung – es sei denn, der Kühler oder Stoßfänger wurde bewegt.
Statische vs. dynamische Kalibrierung
Statische Kalibrierung: Fahrzeug steht in der Werkstatt, Kalibrierungsziel wird vor dem Fahrzeug in definiertem Abstand positioniert. Software führt die Kamera auf das Ziel aus. Vorteil: schnell, wetterunabhängig. Nachteil: Nicht für alle Fahrzeuge und Systeme zulässig.
Dynamische Kalibrierung: Fahrzeug fährt eine definierte Strecke (Autobahn oder gut markierte Straße), Kalibrierung läuft während der Fahrt ab. Langsamere Methode, aber für manche Hersteller die einzig zulässige.
Entscheidend: Welche Methode der Fahrzeughersteller für das jeweilige Modell vorschreibt. Das steht im Reparaturhandbuch. Falsche Methode: Kalibrierung scheinbar erfolgreich, aber Kamera falsch ausgerichtet.
Wann ist keine Kalibrierung nötig?
Nicht jedes Fahrzeug hat ADAS-Systeme. Fahrzeuge ohne Kamera hinter der Frontscheibe (keine Lane Assist, kein aktiver Abstandstempomat) brauchen nach Scheibenwechsel keine Kalibrierung.
Bei Fahrzeugen mit Kamera: Herstellerrichtlinie bestimmt ob immer (viele OEMs) oder nur bei bestimmten Toleranzüberschreitungen kalibriert werden muss.
Was passiert ohne Kalibrierung
Spurhalteassistent warnt zu früh oder zu spät. Notbremsassistent löst bei falschem Abstand aus – oder gar nicht. ACC hält falschen Abstand. Diese Fehlfunktionen sind schwer als Kalibrierungsproblem zu identifizieren.
Versicherungsrelevanz: Bei einem Unfall mit defektem Assistenzsystem nach Scheibenwechsel ohne Kalibrierung ist die Beweislage für den Fahrzeughalter ungünstig.
Kosten ADAS-Kalibrierung
Kalibrierung je nach Aufwand und Fahrzeug: 80–250€. Zum Vergleich: Frontscheibe neu inkl. Kalibrierung bei Fahrzeugen mit Kamera typischerweise 350–800€ (stark abhängig von Fahrzeugtyp und Scheibenausstattung).
Viele Kfz-Versicherungen übernehmen Glasschäden inkl. Kalibrierung – Selbstbehalt prüfen.
Steinschlag, Riss oder Scheibenwechsel geplant? Per WhatsApp Fahrzeugtyp und Baujahr nennen – wir prüfen vorab, ob ADAS-Kalibrierung erforderlich ist.