Ein Steinschlag auf der Windschutzscheibe ist unangenehm – aber nicht immer ein Fall für den Scheibentausch. Mit der richtigen Einschätzung spart man oft erhebliche Kosten. Die Entscheidungsregel ist einfacher als viele denken.
Wann eine Steinschlag-Reparatur möglich ist
Eine Steinschlag-Reparatur ist technisch möglich, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
Größe: Der Schaden ist nicht größer als ein 2-Euro-Stück (ca. 26 mm Durchmesser). Längere Risse oder Absplitterungen, die über dieses Maß hinausgehen, sind nicht mehr reparierbar.
Lage: Der Schaden liegt außerhalb des direkt befahrenen Sichtbereichs des Fahrers – in der Praxis: nicht im Wischbereich vor dem Fahrer, nicht im Bereich der Fahrerassistenzkamera (sofern vorhanden).
Tiefe: Der Schaden hat die äußere Glasschicht zwar beschädigt, aber die Verbundfolie (PVB) ist noch intakt. Wenn Wasser oder Schmutz bereits in den Schaden eingedrungen ist, ist eine Reparatur in der Regel nicht mehr möglich – der Schaden müsste vorher vollständig gereinigt werden.
Alter: Je frischer der Schaden, desto besser das Reparaturergebnis. Alter Steinschlag, in dem sich Staub und Schmutz festgesetzt hat, kann in vielen Fällen nicht mehr vollständig repariert werden.
Wie die Reparatur funktioniert
Steinschlag-Reparatur basiert auf einem Injektionsverfahren: Ein spezielles Kunstharz wird unter Vakuum in den Riss oder die Absplitterung eingezogen. Das Harz hat nahezu identische optische und mechanische Eigenschaften wie das Originalglas. Nach der Aushärtung unter UV-Licht ist der Schaden kaum mehr erkennbar, und die strukturelle Integrität der Scheibe ist wiederhergestellt.
Das Ergebnis: kein Riss, der sich durch Temperaturschwankungen oder Erschütterungen weiter ausdehnt.
Wann die Scheibe getauscht werden muss
Ein Scheibentausch ist nötig, wenn:
- Der Riss länger als ca. 30 cm ist
- Der Schaden im direkten Sichtbereich des Fahrers liegt
- Mehrere Risse oder Absplitterungen vorhanden sind
- Der Steinschlag sich bereits zu einem langen Riss entwickelt hat
- Die PVB-Folie sichtbar beschädigt ist
Risse im Sichtbereich des Fahrers sind bei der HU ein Mangel, der zur Verweigerung der Prüfplakette führen kann.
ADAS-Kalibrierung: Der unterschätzte Mehraufwand
Moderne Fahrzeuge haben auf oder hinter der Windschutzscheibe eine oder mehrere Kameras für Fahrerassistenzsysteme:
- Spurhalteassistent
- Notbremsassistent (AEB)
- Abstandsregeltempomat (ACC)
- Verkehrszeichenerkennung
Nach einem Scheibentausch muss die Kamera neu kalibriert werden – sonst funktionieren diese Systeme nicht korrekt, oder schlimmer: Sie funktionieren, aber mit falscher Referenz.
Die Kalibrierung erfolgt statisch (im Stand, mit Kalibrierrahmen in definierter Position vor dem Fahrzeug) oder dynamisch (während einer Kalibrierungsfahrt bei definierten Bedingungen), je nach Fahrzeugsystem.
Was das bedeutet: Ein Scheibentausch ohne ADAS-Kalibrierung ist bei Fahrzeugen mit Front-Kamera eine unvollständige Reparatur. Die Kalibrierung ist kein optionaler Zusatz, sondern Teil der Reparatur.
Wir führen ADAS-Kalibrierungen mit dem entsprechenden Herstellerdiagnosesystem durch – ob für Mercedes (XENTRY), VW-Gruppe (ODIS) oder BMW (ISTA).
Was die Kaskoversicherung zahlt
Bei Glasschäden durch Steinschlag ohne eigenes Verschulden: Die Teil-Kaskoversicherung übernimmt die Kosten in der Regel vollständig – ohne Selbstbeteiligung und ohne Hochstufung des Schadenfreiheitsrabattes. Voraussetzung: Der Schaden wird korrekt als Glasschaden gemeldet.
Für die ADAS-Kalibrierung gilt: Viele Versicherer übernehmen auch diese Kosten, wenn sie im Rahmen des Glasschadens anfallen. Klärung mit der Versicherung vor der Reparatur ist empfehlenswert.
Steinschlag in der Region Hardegsen, Northeim, Göttingen: Wir reparieren, wo es möglich ist – und tauschen, wo es nötig ist. Inklusive ADAS-Kalibrierung nach Scheibentausch. Telefon: 05505 5236.