Eine Inspektion klingt nach einem standardisierten Vorgang – dabei ist sie das in der Praxis häufig nicht. Was manche Werkstätten als “Inspektion” verrechnen, beschränkt sich auf Ölwechsel und eine kurze Sichtprüfung. Was wirklich geprüft werden sollte, ist deutlich umfangreicher.
Was ein vollständiger Inspektions-Service umfasst
Der Umfang einer Inspektion richtet sich nach dem Fahrzeughersteller und dem Serviceintervall. Grob lassen sich kleine (oft bei jeder Ölwechselintervall) und große Inspektionen (alle 2 Jahre oder 30.000–60.000 km) unterscheiden.
Kleine Inspektion (Basiswartung):
- Motoröl und Ölfilter wechseln
- Alle Flüssigkeitsstände prüfen und auffüllen (Kühlwasser, Bremsflüssigkeit, Scheibenwasch-Wasser, Servolenkungsöl)
- Luftfilter prüfen, ggf. wechseln
- Reifenzustand und -druck prüfen (inkl. Reserverad)
- Beleuchtung vollständig prüfen
- Bremsen Sichtprüfung (Belagdicke vorne/hinten, Scheibenzustand)
Große Inspektion (Vollwartung): Alle Punkte der kleinen Inspektion, zusätzlich:
- Bremsflüssigkeit wechseln (Siedepunkt sinkt mit Wassergehalt)
- Zündkerzen prüfen/wechseln (nach Herstellerintervall)
- Luftfilter wechseln
- Innenraumfilter wechseln (unterschätzt: kann Klimaanlage-Probleme verursachen)
- Keilriemen prüfen
- Achsgelenke und Manschetten prüfen
- Stoßdämpfer und Federbeine prüfen (Sichtprüfung auf Undichtigkeiten)
- Auspuffanlage prüfen
- Fahrzeugelektronik: Fehlerauslese aller Steuergeräte
Was oft vergessen wird – oder weggelassen
1. Fehlerauslese der Elektronik
Viele Werkstätten führen bei der Inspektion keine systematische Fehlerauslese durch. Dabei kann ein Steuergerät seit 10.000 km einen nicht-kritischen Fehler gespeichert haben, der auf ein beginnendes Problem hinweist. Eine vollständige Elektronikdiagnose gehört zur Inspektion.
2. Bremsflüssigkeit
Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch – sie nimmt Wasser auf. Mit steigendem Wassergehalt sinkt der Siedepunkt. Bei Bergabfahrten mit intensivem Bremsen kann die Flüssigkeit vergasen (“Dampfblasen”), was zur kompletten Bremswirkung führt. Der Wechselintervall ist 2 Jahre – unabhängig vom Kilometerstand.
3. Innenraumfilter
Oft ignoriert, obwohl günstig. Ein verstopfter Innenraumfilter:
- Reduziert die Klimaanlagenleistung und -effizienz
- Kann Schimmelgeruch im Innenraum verursachen
- Belastet den Klimakompressor
4. Auspuffanlage
Kleine Löcher oder Roststellen werden bei einer Sichtprüfung unter dem Fahrzeug leicht übersehen. Im Herbst und Winter führt eine undichte Auspuffanlage zu CO-Einleitungen in den Innenraum.
5. Reifenalter
Reifenprofile werden überprüft – das Alter nicht. Ein Reifen mit 1,7 mm Restprofil, aber 8 Jahren auf dem Buckel hat brüchige Gummimischung und deutlich reduzierte Nasshaftung. Das Alter (DOT-Nummer auf der Seitenwand) sollte bei der Inspektion notiert werden.
Wie Sie eine mangelhafte Inspektion erkennen
Dauer: Eine sorgfältige Inspektion dauert bei einem PKW mindestens 2–3 Stunden. Wenn das Fahrzeug nach 45 Minuten fertig ist und alle Punkte abgehakt wurden, sind viele Checks wahrscheinlich oberflächlich geblieben.
Dokumentation: Verlangen Sie nach der Inspektion das ausgefüllte Inspektionsprotokoll. Seriöse Betriebe geben dieses mit – mit Messwerten für Bremsbeläge, Reifenprofil und Befunden zu jedem Prüfpunkt.
Befundbericht: Hat die Werkstatt Mängel festgestellt, die noch nicht repariert wurden? Diese sollten im Protokoll aufgeführt sein – damit Sie informiert sind und selbst entscheiden können.
Unser Inspektions-Ablauf bei KFZ Dietrich
Jede Inspektion bei uns umfasst eine vollständige Elektronikdiagnose mit dem für Ihr Fahrzeug relevanten Herstellersystem (XENTRY/ODIS/ISTA). Die Ergebnisse erhalten Sie als schriftliches Protokoll – mit Messwerten und ggf. Empfehlungen für nächste Wartungsschritte.
Das Wichtigste: Eine Inspektion ist kein Pauschalprodukt. Fragen Sie vor dem Termin, welche Positionen im Preis enthalten sind – und verlangen Sie nach Abschluss das vollständige Protokoll.