Die Wohnmobil-Saison endet meist irgendwo zwischen Oktober und November. Das Fahrzeug wird abgestellt, manchmal überdacht, oft auf einem Stellplatz oder in einer Halle. Was in der Zwischenzeit passiert – und was nicht passiert – entscheidet darüber, in welchem Zustand das Fahrzeug im Frühjahr angetroffen wird.
Winterlagerung ist kein passiver Vorgang. Es ist aktive Schadensprävention.
Wassersystem: Der kritischste Bereich
Eingefriertes Wasser dehnt sich um etwa 9 Prozent aus. Wasserführende Kunststoffleitungen, Ventile, Pumpen und Tanks, die mit Restwasser befüllt sind, können durch Frost dauerhaft beschädigt werden. Die Schadenbilder reichen von gerissenen Leitungen (die erst beim Befüllen im Frühjahr sichtbar werden) bis zu gesprungenen Duschkabinenwannen oder defekten Pumpen.
Vollständige Entleerung des Wassersystems:
- Frischwassertank vollständig entleeren und Ablassventil öffnen
- Pumpe kurz betreiben, bis keine Luft mehr fördert – Leitungswasser austragen
- Alle Wasserhähne öffnen und bis zur vollständigen Drucklosigkeit laufen lassen
- Boiler entleeren (Ablassstopfen, nicht nur Überdruckventil)
- Dusche und Waschbecken-Siphons mit Winterschutzmittel spülen (verhindert Eisbildung in Siphons)
Optional und empfehlenswert: Einblasen der Leitungen mit Druckluft nach dem Entleeren. Das entfernt auch kleine Wasserreste in Leitungsvertiefungen.
Gasanlage: Flasche oder Festgasanlage?
Für die Winterlagerung gibt es verschiedene Empfehlungen. Flüssiggasflaschen (Propan/Butan-Gemisch oder reines Propan) können für die Winterlagerung im Fahrzeug verbleiben, wenn die Anlage gewartet und dicht ist. Butan verliert bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius seine Verdampfungsfähigkeit – für Winterbetrieb ist reines Propan erforderlich; für die reine Lagerung ist das kein Problem.
Festgasanlagen mit Tanksystem (LPG) können ohne weiteres gefüllt bleiben.
Was bei der Winterlagerung zu prüfen ist: Alle Gasverbindungen auf Dichtheit (Lecksuchspray), Gasdruckregler-Zustand und – bei Gasheizung – das Lüftungssystem der Heizung auf Vogelnester oder Schmutzansammlungen. Ein verstopftes Heizungsabgasrohr kann beim Erstbetrieb im Frühjahr Kohlenmonoxid in den Wohnraum leiten.
Fahrzeugbatterie und Aufbaubatterie
Das Fahrzeug steht im Winter still – die Batterie entlädt sich durch Ruhestrom. Je nach Fahrzeugalter und elektrischer Ausstattung können moderne Wohnmobil-Basisfahrzeuge (Sprinter, Crafter, Ducato) 20 bis 50 Milliampere Ruhestrom verbrauchen.
Bei einer typischen 70-Ah-Starterbatterie bedeutet 30 mA Ruhestrom eine vollständige Entladung in weniger als 100 Tagen – also innerhalb einer typischen Wintersaison.
Lösung: Entweder Fahrzeugbatterie abklemmen (minus zuerst), oder ein Erhaltungsladegerät anschließen, das automatisch lädt und überwacht.
Die Aufbaubatterie (für Licht, Heizung, Pumpe im Aufbau) muss separat behandelt werden. AGM-Batterien, die im Wohnmobil häufig eingebaut sind, dürfen nicht tiefentladen werden – das zerstört die Platte. Auch hier: Erhaltungsladung oder Abklemmen.
Reifen: Druckerhöhung und Rollkanten
Reifen, die über Monate unter Last stehen, bilden an der Aufstandsfläche eine Abflachung – eine temporäre Verformung, die sich durch Fahrbetrieb wieder auswächst. Unter Vollast und bei niedrigen Temperaturen kann diese Verformung hartnäckiger sein.
Empfehlung: Reifendruck vor der Einlagerung auf den oberen Rand der Herstellerempfehlung erhöhen (typisch: +0,2 bis 0,3 bar). Nicht auf das Maximum des Reifens – aber etwas mehr als der Fahrbetriebsdruck.
Wenn möglich: Fahrzeug alle vier bis sechs Wochen ein Stück bewegen, damit der Reifen auf einem anderen Punkt aufsteht.
Dachdichtungen und Fensterrahmen
Wohnmobil-Dächer haben mehr Durchdringungen als Pkw-Dächer: Dachventilator, Antennen, Lüfter, Aufbaurahmen. Alle diese Durchdringungen haben Dichtungen aus Kunststoff oder Gummi, die durch UV-Strahlung und Temperaturzyklen altern.
Eine visuelle Kontrolle aller Dachdurchdringungen und des Dachrahmens vor der Einlagerung zeigt, wo Silikonreparatur oder Neuversiegelung erforderlich ist. Ein undichtes Dach über den Winter kann erhebliche Feuchtigkeitsschäden in Holzrahmen und Isolierungsschichten verursachen – die dann im Frühjahr nicht sofort sichtbar sind, aber über Monate weiter wirken.
Wir bieten Wohnmobil-Einwinterungs-Service als Komplettleistung an – inklusive Wassersystem-Entleerung, Gasanlage-Kontrolle, Batterie-Erhaltungsladung und Sichtprüfung Dachbereich. Termin vor der Einlagerung: 05505 5236.